Rolf Simon-Weidner

         rolf simon-weidner
           MATERIAL und MANIPULATION

 

 

  • Nicole Ahlers,
  • (Auszüge aus einem Essay über die Plastiken und Installationen von Rolf Simon-Weidner)
  • Metafiktionen des object trouvé
  • (…) RSW fingiert in seinen Installationen objects trouvés, die in ihrer Abstraktheit zwischen drei unauflöslich miteinander verbundenen Polen changieren, nämlich zwischen der Selbstthematisierung des Materials, der Selbstthematisierung des Verarbeitungsprozesses und der Symbolik.
  • Im Kontrast zur dadaistischen Ästhetik, ready-mades zum Kunstwerk zu nobilieren sowie Kunst und Leben aneinander anzugleichen, führt RSW eine Metaebene ein: er verwendet Reste, Fragmentarisches und Abfälle seines künstlerischen Produktionsprozesses wie z.B. Tonspiralen, die beim Abschaben seiner “Stelen” anfallen.
  • Er verleiht allen Phasen des Produktionsprozesses und den dabei gezielt wie zufällig entstehenden Produkten einen ästhetischen Eigenwert. Spiralen und andere Reste werden nicht anders als mannshohe “Stelen” gebrannt und mit Eisenoxyd eingefärbt. Abdrücke der Handflächen mit ihren Falten und furchen werden nicht geglättet. Das Material trägt die Stigmata der Manipulation, ansonsten bleibt es so amorph wie Lavagestein.(…) Seine theatralischen Inszenierungen von Fragmenten in den “Bühnenstücken” führen jedoch nicht allein das Pathos des Archaischen in Material, Farbe und Technik vor Augen, sondern auch das Pathos der Individualität. Die Stigmata der Manipulation dienen zu nichts geringerem denn als Signaturen der Individualität. Was garantiert die Originalität des Kunstwerkes und die Individualität des Künstlers besser als ein fecit in Form eines zum Handabruck erweiterten Fingerabdruckes…

Freilich weisen jene Stigmata der Manipulation immer auch auf das Un-Heilvolle der Fragmente hin, denen Vollendung schaffende Formung verweigert bleibt. Ein Gewaltakt ist dem Material eingeprägt, eingebrannt, eine Manipulation, welche Formung zu nennen ein Euphemismus wäre. Daher die Ambiguität dieser “Bühnenstücke”, ihr Oszillieren zwischen gealttätiger und individualisierender Manipulation, zwischen heilloser und triumphierender Bruchstückhaftigkeit.

 

 

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